Ausstellung und Erzählcafe in der Ricarda-Huch-Schule

Von diesen Frauen hatten sich Ika Bordasch, Gisela Cordes, Renate Giersch,  Petra Höring und Lore Kübler bereit erklärt,  an die  Ricarda zu kommen, um in Erzählcafes Schülerinnen und Schülern aus ihrem Leben zu berichten und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Besonders imposant war der Besuch von Frau Kübler, die mit ihren über 90 Jahren hinreißend erzählen konnte. Besonders ergreifend war die Schilderung,  wie sie nach Kriegsende von einem sowjetischen Offizier weggeführt wurde, der sie bestimmt und alles andere als herzlich in einen dunklen Seitenweg bugsierte, um dann,  wie sich herausstellte, ihr „nur“ ein Massengrab zu zeigen, in dem von Deutschen ermordete Menschen verscharrt lagen. Der Geschichtskurs aus dem Jahrgang 11 lauschte gespannt und hatte jede Menge Fragen.

Aber nicht nur aus der Oberstufe kamen Schülerinnen und Schüler ins Erzählcafe, auch Hauptschulklassen,  Religionskurse aus dem Jahrgang 7 und 8,  nahmen daran teil. POWI-Kurse hatten zum Thema „Familie“ viele Anknüpfungspunkte. Da ging es beispielsweise um frühzeitige Übernahme von Verantwortung. Ika Bordasch berichtete, dass sie als Älteste von sechs Geschwistern immer auf alle anderen aufpassen musste. Aufgewachsen im ehemaligen Jugoslawien, einige Jahre davon im Lager für „Volksdeutsche“, später nach Deutschland gekommen, erzählte sie, dass sie nur durch Zufall auf ein Gymnasium gekommen sei; als katholisches Arbeiterkind hatte sie zu kämpfen: eine Mathelehrerin habe den Mädchen prophezeit, dass sie doch bald heiraten würden und gar keine Hochschulreife bräuchten. Da  hätte sie nur bei sich gedacht: „Wie blöd kann man denn sein, so früh zu heiraten und Kinder zu bekommen?“  Sie hat es auch dank eines etwas einfühlsameren Lehrers geschafft, ihr Abitur zu machen und ein Lehramtsstudium zu absolvieren. Und hat trotzdem einen Sohn, alleine, großgezogen.

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Insgesamt waren acht Lehrkräfte beteiligt und 12 Klassen.  Petra Höring schreibt: , „am 5. Dezember war ich bei Frau Koetter im Geschichtsunterricht und habe mit der Klasse 13 über die Nachkriegszeit geredet. Über meine Erfahrungen und viele Themen, die die Schüler interessierten, wie das Miteinander der Menschen in Notzeiten, die amerikanischen ‘Besatzer’ hier in unserer Region, die russische Zone DDR, auch die Entwicklung der Frauenrechte nach dem Krieg, Umgang mit Kindern etc. Ich habe die Schüler als sehr aufmerksam und interessiert erlebt, die meisten haben Fragen gestellt oder auch von dem erzählt, was sie wussten. Die Doppelstunde war im Flug vergangen…“

In enger Kooperation mit Friederike Stibane vom Gießener Frauenbüro und dem Fachberater für kulturelle Bildung am Staatlichen Schulamt, Michael  Meyer, ist dieses schöne vorweihnachtliche Erzählcafe zustande gekommen. Eine schöne Idee, bereichernd für alle!

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