Gießener Ricarda-Huch-Schule feiert 175. Geburtstag

Aus dem Gießener Anzeiger vom 21.11.2016
Bildquelle: red

GIESSEN – (ebp). „Schule funktioniert durchaus ohne Schulleiter. Aber wenn der Hausmeister oder die Sekretärin nicht da sind, haben wir ein Problem“, stellte Staatssekretär Dr. Manuel Lösel beim Festaktes zum 175. Geburtstag der Ricarda-Huch-Schule (RHS) fest. Seine Ansprache nutzte der CDU-Politiker, ehemaliger Schulleiter am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, daher auch dazu, sich bei den Mitarbeitern zu bedanken, die für einen reibungslosen Schulalltag sorgen. Als die RHS 1841 – damals noch als „Höhere Mädchenschule“ – gegründet wurde, seien Schulpflichtgesetze allenfalls „Absichtserklärungen“ gewesen, so Lösel, der in seiner Ansprache die Historie skizzierte. Die allgemeine Schulpflicht wurde erst 1919 in der Weimarer Verfassung festgelegt. Für die Schülerinnen der „Höheren Mädchenschule“ hätten Rechtschreibung, Schönschrift, Singen, Religion sowie die Grundrechenarten auf dem Stundenplan gestanden. Der Unterricht sei in erster Linie eine „Vorbereitung auf die Rolle als Ehefrau und Mutter“ gewesen.

Erst seit 1948 ist die RHS unter ihrem heutigen Namen bekannt, so dass im Gespräch mit älteren Gießenern häufig noch von der „Höheren Mädchenschule“ die Rede sei. Es dauerte schließlich auch bis 1968, ehe an der RHS die Koedukation eingeführt wurde. Was Schule heutzutage auszeichne, seien Chancengerechtigkeit und Wahlfreiheit. Zu ersterem gehörten auch Ganztagsangebote, welche die Schüler fördern und den Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichten. Die RHS biete ihren Schülern neben einem gemeinsamen Mittagessen auch viele nachmittägliche Angebote, wie Sportkurse oder eine Fahrradwerkstatt. „Das ist alles nicht selbstverständlich“ gab Lösel zu bedenken und bat die anwesenden Schüler um einen Applaus für ihre Lehrer. Durch die Wahlfreiheit könnten Eltern selbst entscheiden, ob sie ein behindertes Kind auf eine allgemeine oder eine Förderschule schicken möchten. Inklusion sei eine besondere Herausforderung für die Lehrkräfte. „Sie stellen sich dieser Aufgabe und leben und lernen miteinander“, lobte Lösel. Im vergangenen Jahr wurde die RHS vom Hessischen Kultusministerium als „Kulturschule“ zertifiziert und machte diesem Namen auch während des Festaktes in der Aula der Justus-Liebig-Universität alle Ehren. Die Klasse 8 b unter der Leitung von Marco Weisbecker überbrachte zu Beginn ein Geburtstagsständchen. Die Songwerkstatt und Lehrerin Christa Lißel begeisterten die Zuschauer um Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Stadträtin Astrid Eibelshäuser mit einem „kulturellen Intermezzo“ und gaben unter anderem Lionel Richies „Three Times a Lady“ zum Besten. Auch der Lehrerchor gab eine Kostprobe seines Könnens und die Klasse 5e präsentierte gemeinsam mit der Instrumentalwerkstatt die Vertonung des Laurel-und-Hardy-Films „Die Tortenschlacht“.

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Der künstlerische Geist solle „die gesamte Schulkultur durchdringen“, sagte der ehemalige Prof. Christian Rittelmeyer, der in seinem Festvortrag „Kulturschulen als Schulen der Zukunft“ neuere Ergebnisse der Forschung präsentierte. So gebe es zahlreiche Untersuchungen, wonach durch künstlerische Tätigkeiten die sozialen Fähigkeiten gestärkt würden. Die Kultur in alle Unterrichtsfächer, also auch in Mathematik oder Physik, einzubringen, sei dabei eine „Herausforderung“, denn es gehe nicht darum, „bunte Girlanden im Raum aufzuhängen oder Beethoven im Hintergrund spielen zu lassen“.

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