Enoh Meyomesse, ein Autor aus Kamerun, zu Besuch an der Ricarda

Eine sehr beeindruckende Begegnung hatten jüngst die 30 Schüler*innen der beiden Leistungskurse Französisch der Jahrgangsstufen 12 und 13 und einige Kolleg*innen mit dem aus Kamerun stammenden und in Darmstadt lebenden Autoren und Politiker Enoh Meyomesse, der auf Einladung von Ute Hahn, Lehrerin des Leistungskurses im Jahrgang 13, die Ricarda-Huch-Schule in Gießen besuchte. 

Im Rahmen des letzten Halbjahresthemas  „A la rencontre de l’autre” („Dem Anderen begegnen“) stellte er sich den Fragen der Schüler*innen und berichtete über seine Kindheit im Süden Kameruns, sein Studium in Frankreich, sein frühes Interesse an Literatur und seinen Weg in die Politik, der ihm im Rahmen seiner Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2011 zum Verhängnis wurde, weil er grundlos inhaftiert und insbesondere in den ersten Wochen absolut menschenunwürdig behandelt wurde. Besonders die lebendige Erzählweise des Gastes, der trotz dieser einschneidenen Erlebnisse etwas absolut Positives ausstrahlte und der erst sein Schicksal akzeptieren musste, um dann produktiv zu werden und mehrere Romane und Gedichte während der Gefängniszeit zu schreiben, beeindruckte die Zuhörenden. 

Auf Initiative des PEN International wurde sein Urteil schließlich revidiert, er bekam Papiere durch die Botschaft in Deutschland ausgestellt und erhielt eine Einladung der Stadt Darmstadt, wo er seit 2015 lebt und arbeitet. Heute gilt der Autor mit über 70 Werken als einer der größten Schriftsteller seines Heimatlandes. 

Nach dem fesselnden Bericht seiner eigenen Biographie äußerte er sich auch zu den Folgen des Kolonialismus in Afrika, was heute noch aufgrund der Vermischung der Ethnien zu Problemen führe. Interessant war auch ein kurzer historischer Einblick in die Kolonialisierung Kameruns, wo die deutsche Sprache der ehemaligen Kolonialmacht noch präsent sei, was ihm erst in Deutschland bewusst geworden sei, als er Wörter wie „ja,ja“, „teuer“ oder „Pfarrer“ gehört habe, die ihm aus seinem Heimatland bekannt waren.

Gegen Ende tauschte der Autor sich noch mit den Schüler*innen der Q3 über den Roman „Petit Pays“ („Kleines Land“) von Gaël Faye aus, der die Pflichtlektüre im Leistungskurs darstellte. 

Alles in allem vergingen die zwei Schulstunden wie im Fluge. Die Schüler*innen folgten sehr interessiert und konzentriert dem Vortag des Gastes und am Schluss wurden noch gemeinsame Fotos geschossen, um diese besondere Begegnung, die vom Verein der Ehemaligen und Freunde der Ricarda-Huch-Schule maßgeblich finanziert wurde, noch lange in guter Erinnerung zu behalten.

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