Ricarda-Huch-Schule Gießen als Umweltschule ausgezeichnet

Großkrotzenburg 22.10.2019

Am 22.10.2019 wurde der Ricarda-Huch-Schule Gießen der Titel „Hessische Umweltschulen“ im Rahmen einer feierlichen Auszeichnungsveranstaltung verliehen. Die Auszeichnung wurde von der Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) und Herrn Ministerialdirigent Jörg Meyer-Scholten (Hessisches Kultusministerium) überreicht.

Verliehen wurde die Auszeichnung „Hessische Umweltschule“ in Form einer Urkunde und eines Schildes, das sie offiziell als „Umweltschule“ ausweist sowie eines Schildes zur Dachmarke „Nachhaltigkeit lernen in Hessen“.

Die Umweltschulhandlungsbereiche an der Ricarda-Huch-Schule Gießen:

Der historische Schulgarten von 1907 wurde 2016 und 2017 von Schüler*innen und der IJB mit Unterstützung durch die Agendagruppen der Stadt Gießen, dem Stadtgartenamt und dem Institut für Biologiedidaktik aufwändig renoviert. Der Garten erhielt ein neues Nutzungskonzept und wird nun im Biologieunterricht, Kunstunterricht (beobachten, malen und zeichnen) vom WPU Schulgarten und vom WPU Fotografie genutzt. Darin befindet sich ein großer Natursteinsitzkreis und einen Grillplatz.

Im Schulgarten werden Kräuter, Salate und Gemüse angebaut. Er enthält u.a. eine Obstbaum- und Beerenstrauchparzelle, ein großes von Schüler*innen gebautes Insektenhotel und einen Fischteich.

Der jährlich stattfindende Israelaustausch widmet sich neben dem Holocaustgedenken intensiv dem Nachhaltigkeitsbegriff. Bei einem Besuch im Krofdorfer Forst lernen die israelischen und deutschen Schüler*Innen den Nachhaltigkeitsbegriff der deutschen Forstwirtschaft kennen, sowie in weiteren Projekten u.a. nachhaltige Gastronomie und nachhaltige Bekleidungsproduktion in und um Gießen. In Israel erfahren die Schüler*Innen in einem Kibbuz etwas über Wüstenbewirtschaftung, -bewässerung, -wiederaufforstung, Photovoltaik und Solarthermie.

Die ständig erweiterte Umweltbibliothek und -mediathek enthält eine Vielzahl aktueller Dokumentationsfilme zum Zustand der Umwelt und der Nahrungsmittelproduktion. Erwähnenswert sind auch die neuen Bücher zur Ernährungspysiologie und Ernährungsökologie sowie Kochbücher zur vegetarischen Vollwerternährung und zur veganen Ernährung. Ihre Inhalte werden in den Kochkursen angewendet.

Die RICARDA gehört zu den ersten hessischen Bikeschools, besitzt einen MTB-Pool und eine MTB-Werkstatt welche von dem Wahlpflichtkurs Mountainbike , dem WPU MTB-Werkstatt und Oberstufensportkursen genutzt wird, was der Förderung des Fahrradfahrens dient.

Biodiversität, Arten- und Tierschutz finden im Kunstunterricht der RHS besondere Berücksichtigung, so wurde aus Anlass des Insektensterbens der Märchenfilm „Die Bienenkönigin“ gedreht, in welchem jungen Schüler*innen das Thema auch emotional nahegebracht wird. Außerdem wurden große Insektenskulpturen geschaffen und im Garten ausgestellt. Zum Thema Vogelschutz wurde der Animationsfilm „Leben und Sterben eines Schwarzstorches“ gedreht. Der Film erzählt die wahre Geschichte eines Schwarzstorches welcher in der Nähe von Gießen tödlich an einer Stromleitung verunglückt ist.

2019 wurden erfolgreich Mauersegler in den Nistkästen am Schulgebäude angesiedelt.

Im Bereich Gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit hat die RHS das Teilzertifikat „Ernährung & Konsum“ im Kontext des Zertifikats „Gesundheitsfördernde Schule“ erlangt. U.a. wurden zwei Trinkwasserspender mit kostenlosem Trinkwasser installiert, ein zuckerfreier Vormittag eingeführt und nachhaltige Ernährung verstärkt im Unterricht thematisiert.

Die RHS ist zertifizierte MINT-Schule mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt.

Im Wettbewerb „Jugend forscht“ erlangte ein Schüler der Oberstufe der RHS 2018 den 1. Platz im Regionalentscheid mit dem Thema „Chemische Gewässeruntersuchung der Lahn von der Quelle bis Gießen“ und konnte dann am Landeswettbewerb teilnehmen.
Zur Zeit laufen weitere Forschungsprojekte zu diesem Thema, u.a. Untersuchungen zur Belastung der Lahn mit Medikamenten im Rahmen von Jugend forscht.

Bei dem Wettbewerb „Giessener Jugendliche forschen“ -in Kooperation mit der Hermann Hoffmann Akademie und der Biologiedidaktik UNI Gießen- forschten drei Schülerinnen erfolgreich zum Thema Biomüll als Dünger und forschen nun zum Thema Blaualgen in Gießener Badegewässern.

Die Robotik-AG hat mit dem Team Robotorf erfolgreich an der World Robot Olympiad teilgenommen und einen ersten Platz im Regionalentscheid mit ihrem Roboter Moorfubot erzielt. Der Roboter kann mit seiner Messtechnik selbstfahrend die Lebensraumqualität von Mooren erfassen. Intakte Moore sind ein wichtiger CO2-Speicher.

Ein weiterer Roboter der Robotik AG kann Trinkwasser mit UV-Licht entkeimen. In den jährlich stattfindenden Projektwochen der Oberstufe des Jahrgangs 12 werden regelmäßig Umweltthematiken behandelt. Im Projekt Mobilität der Zukunft war ein Referent mit einem Auto mit Brennstoffzellenantrieb Gast an der RHS. Weitere Projekte thematisierten Urban Gardening und Ökologische Landwirtschaft mit Besuch eines Demeterhofes. Eine Aktion zu „Fridays For Future“ fand am 20.09.19 auf dem Schulhof statt.

Während der Auszeichnungsveranstaltung in Großkrotzenburg hatte die RHS auch die Gelegenheit, ihre Umweltschulprojekte zu präsentieren, sich mit anderen Umweltschulen auszutauschen und so ein lebendiges Netzwerk umweltpädagogisch aktiver Schulen zu pflegen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, die notwendigen Kompetenzen für die Gestaltung eines nachhaltigen Lebensstils zu entwickeln.

Die Auszeichnung hat Bestand für zwei Jahre, dann kann sich die Schule erneut um die Auszeichnung bewerben. Mit der Auszeichnung sind die Umweltschulen automatisch Teil des Schulnetzwerks „Nachhaltigkeit lernen in Hessen“.

„Umweltschule – Lernen und Handeln für unsere Zukunft“ ist eine Auszeichnung, die vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) und vom Hessischen Kultusministerium (HKM) für das besondere Engagement einer Schule im Bereich Umweltbildung und ökologische Bildung vergeben wird. Gewürdigt wird die Verbesserung der Qualität von Unterricht und Schulleben im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Die Ausschreibung verlangt für den Teilnahmezeitraum von zwei Jahren zwei ausgewählte Handlungsbereiche zu bearbeiten und dabei gleichzeitig Strukturen im Schulalltag aufzubauen, die das Engagement auch langfristig steuern und stützen können. Dazu gehört auch die Integration der Vorhaben in Unterricht und Schulcurriculum, in Schulleben und Schulkultur. Durch eine wiederholte Beteiligung kann eine Schule Schritt für Schritt ihre Qualität im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens verbessern.

Diese beiden Handlungsbereiche, die eine Schule auswählt, können aus den „klassischen“ Umweltbildungsbereichen wie ökologische Gestaltung des Schulgeländes, Naturerlebnis und Naturschutz stammen, aus Themen des Umweltschutzes wie Klimaschutz, Energiegewinnung, Abfallvermeidung, Ernährung, Konsum oder auch aus dem Globalen Lernen (Fairer Handel, Schulpartnerschaften mit Schulen des Globalen Südens zu Umweltthemen) oder der Auseinandersetzung mit den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs).

Unterstützt wurde die Schule von Herrn Schäm Regionalkoordinator Umweltschulen Hessen und Frau Bell Koordinierungsstelle an der Naturschutzakademie Hessen. Diese wird gemeinsam getragen vom HKM und dem HMUKLV und versteht sich als Lotse für Vorhaben und Projekte der Bildung für nachhaltige Entwicklung im schulischen Bereich.

Im November 2017 wurden die Hessischen Umweltschulen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der deutschen UNESCO- Kommission als hervorragende Bildungsinitiative für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es, „die hessischen Umweltschulen tragen dazu bei, Nachhaltigkeit besser in der deutschen Bildungslandschaft zu verankern. Das Projekt setzt sich dafür ein, den Fokus qualitativ immer stärker von reiner Umweltbildung hin zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu verschieben, so etwa in Unterrichtseinheiten zu Biodiversität und Naturschutz. Hervorzuheben ist auch, dass das Netzwerk Schulen darin unterstützt, einen umfassenden Ansatz zur nachhaltigen Umgestaltung des Schulalltags zu entwickeln.“

Das Netzwerk der Hessischen Umweltschulen versteht seine Arbeit auch als Beitrag der Umsetzung des Nationalen Aktionsplan BNE, der im Juni 2017 von der Nationalen Plattform BNE verabschiedet worden ist.

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