Abitur 2019 – ABIBALL-IMPRESSIONEN * die Rede zum Nachlesen

IMPRESSIONEN

 

REDE FÜR DIE ABITURIENTINNEN UND ABITURIENTEN

 

Olaf Dinkela,
Rede zur Ausgabe der Abiturzeugnisse 2019
an der Ricarda-Huch-Schule

Liebe Eltern und Angehörigen, Verwandte und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, liebe Abiturient*Innen, ich grüße und begrüße Sie und euch und selbstredend möchte ich euch, liebe Reifegeprüften, zuallererst einmal im Namen aller meiner Kolleginnen und Kollegen, die euch durch eure Schul- und Prüfungszeit an der Ricarda begleitet haben, recht herzlich zu eurem bestandenen Abitur beglückwünschen.

Ich hoffe, dass ihr es schon fassen könnt und dass sich dieser Moment, auf den ihr so lange hingefiebert und hingearbeitet habt, wahrhaftig und echt genug anfühlt. Falls nein, so könntet ihr jetzt einmal versuchen, die Realität ein wenig auf die Probe zu stellen, und euch dem zu ergeben, was ich für mich mal den Magnetismus des Möglichen getauft habe. Allgemein gesprochen bedeutet er so viel wie wild, gefährlich und verwegen zu leben. Das ist schon einmal nicht schlecht, ich weiß. Ein wenig konkreter bedeutet der Magnetismus des Möglichen den Moment, in dem ihr euch – bildlich gesprochen – an der absoluten Kante eines Dreimeterbretts auf die Zehenspitzen stellt, das Gewicht so nach vorne verlagert, bis zu dem Punkt, an dem ihr euch unumkehrbar dem Fall überantwortet, um dann mit einem wissenden Lächeln loszulassen, um etwas zu tun, das ihr euch 2 Zentimeter zuvor noch nie getraut habt: Ihr könntet jetzt, da ihr nicht wisst oder nur ahnt, ob ihr wach seid oder träumt, vielleicht jemandem trotzig eure unerwiderte Liebe gestehen, ihm oder ihr vielleicht auch nur ein kleines Kompliment zukommen lassen, eine kleine unerwartete Geste – einfach mal, um zu sehen, wie es kommt … und wer weiß, vielleicht ist das alles gleich schon vorbei … wenn der Wecker klingelt, wenn die Farben aus dem Geträumten fließen und die nächtliche Allmacht dem morgendlichen Mundgeruch weicht … oder auch nicht, … wenn das hier doch echt ist, dann haltet ihr gleich den höchsten Bildungsabschluss in den Händen, den das Land zu vergeben hat. Das ist doch was!

Mein erster Tipp auf jeden Fall für den kommenden Lebensabschnitt: Lebet wild und verwegen und schwingt euch in Momenten des Glückes zum Unglaublichen empor! Denn …

… man muss sie auskosten. Die Gegenwart. Das hier und jetzt. Nicht nur alles immer capturen für irgendwann. Die Wirklichkeit ist realer als Retina und wir müssen auf der Hut sein, denn die Wissenschaft lehrt uns, dass in unserer heutigen Hypermoderne die Gegenwart stetig schrumpft … von hinten zwickt das Vergangene, das wir nicht verarbeitet bekommen haben, weil von vorne schon die Zukunft drückt und unseren Blick schamlos in ihr üppiges Dekolletee lenkt: Termine, Pläne, Produktivität- Und man muss dabei zusehen, dass man das Essentielle, das Bedeutsame nicht aus den Augen verliert, sondern es entschlossen dem Vergessen entreißt, es festhält.

Die kostbaren Momente. Gerade sie haben einen eigenwilligen Aggregatzustand. Sie drohen zu zerfallen, kaum, dass sie einem begegnen und wenn man nicht aufpasst, stellt man eines regnerischen tristen Tages fest, dass man all das Schöne nicht erlebt, sondern einfach nur verbraucht hat!

Und deshalb, noch einmal, ganz ausdrücklich: schließt diesen Tag ganz fest in eurem Herzen ein! Hadert nicht mehr mit liegengelassenen Punkten, mit einer am Ende nicht ganz gelungenen Hinterkommakosmetik oder damit, dass die Planung der mittelfristigen Zukunft noch Lücken aufweist – nein! Saugt das alles ganz tief rein in euren Speicher und zehret noch lange davon! DAS hier gehört euch!

Und deshalb mein Tipp für euren weiteren Lebensabschnitt: Habet Mut zum wahrhaftigen Erleben! Schmeckt den Augenblick und erntet entschieden, was ihr euch gepflanzt habt.

Ja, und so schnell wie alles geht und vergeht, verging auch für mich die Zeit der Vorbereitung auf diese Rede.  Als ich mir – dieses Wochenende – das erste Mal ernsthafte Gedanken machen konnte, fand ich mich bei der Gartenarbeit wieder. Und ich dachte noch: WoW, wie komme ich hier her und was mache ich hier eigentlich? Und da hörte ich es auch schon von anderswo: „Was machst du da eigentlich? Diesen Baum willst du doch wohl nicht mitten auf die Wiese pflanzen?“ „Baum? Das ist ein Ginkgo! Warum? Der muss mal aus seinem Topf heraus“ … „aber doch nicht mitten auf die Wiese, da steht er doch voll im Weg“ … „ja, aber warum denn? Genau da kann er doch wachsen, zu einem großen, erhabenen …“ und da kam es mir dann, das erste Bild für diese Rede: Der Baum!

Hinausgewunden aus der Enge des Gefäßes, das ihn rahmte, das ihm Kontur, Schutz und Ordnung gab, aber eben auch Grenzen setzte, sodass sich seine Wurzeln irgendwann zu einem gedrängtem Ball verknotet haben, die sich jetzt … fühlend und tastend … in den fruchtbaren weiten Boden des Lebens winden können – aber dann … und so ist das wohl im Leben … steht der stolze Ginkgo, dieses lebende Fossil in seiner Abermillionen Jahre schweren Wirkungsgeschichte doch wieder im Weg …

DSCF5621aber ja, es gibt ihn wirklich!

Der Baum, das Leben, der Weg, im Weg … jetzt sind wir drin …

Mit dem Ende der Kreidezeit, das ihr euch als das Motto eures Abijahrgangs an der Ricarda gesetzt habt, endet vorerst dieses kuratierte Leben, ein Leben, das von Vormündern und Sorgetragenden geprägt war, es endet der alltägliche institutionelle Zugriff auf euch und euer Leben und wenn ihr mit diesem Schritt dann auch noch den nächsten aus eurer familiären Umgebung heraus wagt, bedeutet dies alles den Anbeginn der uneingeschränkten Selbstbestimmung – zumindest, was die Ausgestaltung des Privaten anbelangt. Einige finden das alles spontan bestimmt voll super … das Leben mit den eigenen Schritten vermessen – toll! Andere sind da misstrauischer, trauen dem verwinkelten Pfad in die Freiheit nicht so recht. Wer von euch den größeren Realitätssinn gehabt haben wird, wird die Zukunft zeigen, doch ob diese oder jene, so oder so, ihr alle werdet Suchende und Irrende bleiben und das ist auch nicht verkehrt, denn zumeist trägt einen der Zweifel deutlich weiter als die unreflektierte Überzeugung und nicht selten – und dies darf Mut machen – führt einen der Umweg über das gefühlte Fremde wieder dorthin zurück, wo es sich warm anfühlt, zu uns selbst. Das gibt mir ein recht passendes Stichwort.

Vor vier Jahren habe ich eine Mitschülerin von euch gefragt, ob sie mir nicht – sozusagen als Koautorin – einen kleinen Beitrag für die Abirede des Jahres 2015 verfassen möchte. In meiner damaligen 9. Klasse war sie einst noch in der Verfassung, mir aus einer spontanen Laune heraus den ganzen Laden aus den Angeln zu heben. Vor der Tür aber, oder dahinter – alles eine Frage der Perspektive – fand sie stets zu ihrer Ruhe und dann schrieb sie, und es kamen nicht selten sehr lesens- und hörenswerte Beiträge zustande. Diesen einen will ich euch also nicht vorenthalten, so bekommt ihr doch noch eure Mitschülerrede, und es schließt sich ein Kreis – für sie, für euch und auch für mich – es ging darum, wie es wohl sein wird, wenn die Schule nicht mehr ist und ich probiere es mal in ihrem damaligen ganz eigenen Sprachduktus …

+++

 „Also, wenn ich nicht mehr in der Schule bin, dann bin ich alt, ich meine nicht nur älter, für mich ist das dann richtig alt, was bedeutet, dass ich von nun an mehr und mehr wie meine Eltern werde und die erzählen mir auch immer, wie rebellisch sie während ihrer eigenen Schulzeit gewesen sind; davon ist heute nichts mehr zu spüren, sie nennen es erwachsen, ich nenne es alt.

Ich laufe dann nicht mehr durch die Schule und werde von Lehrern gedrillt. Sie haben mir nichts mehr zu sagen. Ich muss mich dann selber drillen und ob ich dazu bereit sein werde, das weiß ich noch nicht.

Ich habe dann die meiste Zeit meines Lebens in einer Schule verbracht; ob ich wollte, oder nicht. Aber wenn ich nicht mehr in der Schule bin, werde ich dann unmodern und altmodisch sein? Ich meine, egal, auf was ich blicke, es wirkt immer irgendwie hängengeblieben, eingeklemmt oder einfach klein. Das ist echt verwirrend!

In der Schule soll man sich ja immer irgendwie „selbst finden“; wenn ich dann von der Schule weg bin, muss ich mich dann bereits gefunden haben, oder darf ich einfach weiterlaufen, raus aus der Schule, irgendwo anders hin, wo ich dann weitersuchen kann?

Ich glaube, nach der Schulzeit ist ein Kapitel abgeschlossen, das man gar nicht wirklich zu schätzen wusste, im Nachhinein sieht man alles ja immer anders als mittendrin; keine Ahnung, ob das biologisch, chemisch oder psychisch erklärbar ist. Wenn ich aus der Schule heraus bin, kann ich das auf jeden Fall keinen Lehrer mehr fragen, dann lande ich bei solchen Internetportalen wie gutefrage.net, lese mir die Kommentare durch und muss dann selbst entscheiden, was mir in meinen Augen sinnvoll erscheint. Apropos „Augen“. Während der Schulzeit hatte ich das Gefühl, dass wir immer dieselben Themen behandelten. In Bio „Das Auge“ und in Reli „Martin Luther“. Ich glaube nicht, dass ich das wirklich noch einmal gebrauchen kann, aber es fühlt sich trotzdem gut an, irgendwas zu wissen und wer weiß, vielleicht will ich mich ja mal beweisen, vielleicht bei einem attraktiven Biologen und dann kann ich auf jeden Fall schon einmal mit meinem Wissen über das Auge prahlen.

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, irgendwann, dann werde ich das Beisammensein mit verschiedensten Leuten vermissen, auch wenn man dazu genötigt wurde, denn es gab ja keinen Ausweg, so eingepfercht im Klassenraum. Im Nachhinein werde ich aber keinen meiner Klassenkameraden gehasst haben. Ich glaube auch, dass wir an der Schule gelernt haben, mit diesem Wort umzugehen und in vielen anderen Wörtern, die ich später einmal gebrauchen werde, werde ich den Einfluss meiner Mitschüler von damals heraushören. Wie schön. Und dann werde ich merken, dass ich noch viel mehr gelernt habe als lineare Gleichungssysteme, Parabeln, Atome und so weiter. Aber wenn sich unser Staat in einen radikalen Bildungsstaat verändern sollte und im Aldi die Preise in kniffligen Termen angegeben sind, dann werde ich vorbereitet sein.“

+++

Nun, es ist euch zu wünschen, dass ihr mit dem heutigen Tag, jetzt, da ihr euch so richtig in Schale geworfen habt, nicht alt, hängengeblieben und klein fühlt, sondern stilvoll und versöhnt mit dem Umstand, dass man euch heute die Reife bekundet.

Und deshalb hier ganz kurz ein weiterer Tipp für den Übergang in den nächsten Lebensabschnitt: Verabschiedet euch von dieser Kriegeslust im Umgang mit euch selbst und eurem sozialen Umfeld: es ist die falsche Energie- sagt ja zu eurem Werden, seid nachsichtig mit euch selbst.

Was den Wert der Schulzeit anbelangt, so hören wir, ging es also in erheblichem Maße auch darum, sich selbst zu finden, sich kennenzulernen, sich die Zeit zu nehmen, der zu werden, die man ist und in den gehörten Worten schwingt die Ahnung mit, dass es sich bei diesem Prozess um einen Weg handelt, der mit dem Ende der Kreidezeit nicht abgeschlossen sein wird, wahrscheinlich endet er niemals, weshalb sich uns permanent und bis ins hohe Alter hinein die Frage stellt, wie dieser Weg gestaltet gehört!

Wie gelingt ein gutes und erfülltes Leben? – Vor allem in einer Zeit wie der heutigen, in der alle so verdammt unzufrieden sind! Wir hier in Deutschland, die wir im Kreise der Weltbevölkerung über so unglaubliche Privilegien verfügen, wo die Kinder spielen dürfen, nicht mit Chemikalien und mit Hunger im Bauch Modeketten-Kleidung färben müssen, oder barfuß auf Schrottbergen Platinen aus alten PCs schrauben, die man uns aus fernen Ländern vor die Haustür schifft, weil wir egal sind. Woher kommt der Glaube, dass uns so viel mehr zusteht?

Vier Jahre sind seit dem Gastbeitrag zur Rede bis heute vergangen, und ich sag mal so: in einen radikalen Bildungsstaat haben wir uns wahrlich nicht verwandelt.

Vielmehr macht sich eine Wissenschaftsskepsis breit, Menschen mit Expertise werden angefeindet, das Mutmaßen und Behaupten triumphiert unberechtigt überheblich über das Wissen, alternative Wahrheiten, Fake News und Hatespeech blubbern durch die Filterblasen unser digitalen Lebenswirklichkeit und dringen mehr und mehr auch in sozialen Sphären außerhalb der Bits und Bytes vor, Medien, die solche Entwicklungen kritisch beäugen und dokumentieren, werden in Misskredit gezogen, Politiker als Feinde des Volkes geschmäht und den einzigen, die in diesem ganzen postmodernistisch-endzeitlichen Wahnsinn die Vernunft leitet, den Kinder und Jugendlichen, wird empfohlen, sich vernünftig zu verhalten, die komplexen Sachfragen den Profis zu überlassen und zurück in die Schule zu gehen.

Zurück in die Schule? Was soll das eigentlich bedeuten und was soll das am Ende sein für ein Ort? Annabell kann jetzt im Bällebad abgeholt werden, wir haben ihr die Flausen der Jugend ausgetrieben und das erhitzte Gemüt runtergekühlt – mit E-Funktionen und Zitronensäurezyklus, harmonischen Transversalwellen und Schlegels Universalpoetik. Dazu noch ein wenig Bewegung auf der Aschenbahn, hat uns auch nicht geschadet, bisschen Klöppeln auf dem Xylophon; das wahre Leben – also das der Profis – das ist irgendwo da draußen! Sagt man.

Also, wenn Schule so ein Ort ist, dann könnt ihr froh sein, den Weg in die Freiheit gefunden zu haben, dann würde ich aber auch nachher nicht mehr das Tanzbein schwingen, sondern laufen, so schnell ihr könnt, bevor wir es uns noch einmal anders überlegen. „Take the money and run!“

Aber ganz ehrlich. Schule ist nicht so ein Ort. Schon lange nicht mehr. Ihr wisst das. Und ich nehme für uns in Anspruch, dass unsere Schule, die Ricarda, so ein Ort schon einmal gar nicht ist. Man muss sie nicht überromantisieren. Es bleibt eine Schule, ein Ort mit Regeln, die sich einem nicht immer erschließen und auch ihr habt Erfahrungen gemacht, die manchmal unschön waren, manchmal auch demütigend, habt Dinge lernen müssen mit für euch unerschließbarem Gebrauchswert, aber im Großen und Ganzen kultivieren wir an unserer Schule liberale selbstbestimmte Geister mit dem Herzen am richtigen Fleck – in unserer Schule mit Jugendstil, der KulturSchule Ricarda! Und ich habe mir in der letzten Zeit als einer von drei KulturSchul-Beauftragten unserer Schule viele Gedanken gemacht über den Wert der Kulturellen Bildung im Allgemeinen und unserer Schule im Besonderen. Manchmal gerät es etwas eitel, wenn man es mit der Gesinnungsprosa übertreibt und nicht immer bekommt man es eindeutig gegriffen, doch es gibt da etwas an unserer Schule, das steckt ganz tief drinnen in ihren Grundfesten und sie gibt es stetig frei und es wabert durch ihre Gänge, durch die Ritzen der Türen und gelangt in alle Räume – es ist kaum vernehmbar und doch immer da und erfasst am Ende alle, die so oder so zu ihr gehören, wahrscheinlich auch euch – ihr werdet sehen – es herrscht ein besonderer Geist an der Ricarda, ein Duft, der einmal wahrgenommen, einem nicht mehr aus der Nase will.

An unserer KulturSchule kultivieren wir den anderen Blick, den Perspektivenwechsel, wagen die Kunst, auch dort, wo sie abseitig erscheint, und wenn es gelingt, dann lodert es und lädt ein und dann ist es so, wie der Volksmund sagt: wo gesungen wird, da lass dich nieder, denn böse Menschen kennen keine Lieder – oder auf die heutige Zeit übertragen: Jugendliche, die mal auf einer Bühne gestanden haben, die sich angeboten haben und kreativ entblößt, sich fragil und angreifbar gemacht haben- und unter dem Beifall ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler erfahren durften, dass ihr Ausdruck kunstfähig ist, selbst dann, wenn sie vorher nie etwas damit am Hut hatten, die schätzen auch den Anderen, dessen Werk, seine Leistung und Persönlichkeit. Die stehen nicht in der letzten Reihe und pöbeln unqualifiziert herum und machen das auch nicht im Internet, weil das tote, ungelebte Zeit ist. Sie prügeln keine Mitmenschen durch die Straßen und diffamieren keine Andersdenkenden, einfach nur deshalb, weil sie so unglaublich ängstlich geworden sind, dass sie nur noch ihre eigene Meinung- und die einiger digital generierter Echokammermitbewohner aushalten.

Und deshalb – an dieser Stelle – bevor ich es vergesse. Mein Tipp für die nahende Zukunft: Waget die Kunst und das bessere Argument, doch verschwendet euch nicht an jene, die nicht überzeugt werden wollen!

Ich habe ehemalige LK-Schüler, mit denen ich mich alljährlich treffe, eine von ihnen hat es in ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften bis nach Oxford geführt und sie sagte mir, dass es da etwas gäbe, das sie ganz tief in sich trage und das sie ganz sicher der Ricarda verdanke; und es sei rar geworden und in den Sphären der kommenden Wirtschaftselite, die schon bald ihren Platz in den Kathedralen der Hochfinanz einnehmen würde, ganz sicher so gut wie nicht vorhanden: Und zwar Anstand und Haltung!

Darum geht es. Bei vielem, das ihr getrost wieder vergessen könnt, dürften Anstand, als der ethisch-moralische Anspruch-, als die Erwartung eines guten und richtigen Verhaltens sowie Haltung als innerer Kompass, der uns dabei lenkt, vor allem im Umgang mit anderen, der uns hilft, den Blick auf unsere Mitmenschen zu richten, sich auf sie einzulassen, von unschätzbaren Wert sein – das man beides an der Ricarda frei von Last ins Marschgepäck bekommt, erscheint mir daher … unbezahlbar … .

Daneben erscheint mir noch ein Drittes bedeutsam zu sein. Und zwar: Zufriedenheit – und zwar Zufriedenheit in dem ureigenen Sinne, sich zufrieden geben zu können. Das scheint an dieser Stelle unpassend zu sein. Gemeinhin ist diese Fähigkeit ja nicht unbedingt positiv besetzt, denn Zufriedenheit, Genügsamkeit – das sind Begriffe, die den Ruch der  Stagnation und Antriebslosigkeit in sich tragen … sich begnügen und sich abzufinden, keine weiteren Forderungen zu stellen und etwas als gut zu akzeptieren, das ist was für Verlierer, für Balu, den Bären, aber nichts für Shirkan, für die Leistungserbringer – nichts für heute, wo es um das Erreichen geht und das Streben, das dem Erreichen vorangestellt ist.

Und am Streben an sich ist auch nichts verkehrt. Bitte. Gebt immer euer Bestes – für euren beruflichen und gesellschaftlichen Erfolg, strebt nach der eigenen Entfaltung, nach der Erfüllung eures Daseinsglückes, danach, eurem Bild von euch selbst näherzukommen, und dabei authentisch zu bleiben – aber lasst das Streben nicht zum Selbstzweck werden, zur Jagd, zu dem, was Thomas Hobbes in seinem Hauptwerk „Leviathan“ als den „Krieg aller gegen alle“ skizzierte. Dieser Krieg macht müde, er erschöpft, macht die Menschen wuschig und unzufrieden, sie sind gefangen in einer Logik, in der die Dinge nie genug sind und in der der Andere immer das hat, was man selber gerne hätte. Man argwöhnt und neidet, streckt sich empor, um zu sehen und gesehen zu werden, wie Zachäus und dann steht man im Weg wie der Ginkgo, nur stört es einen nicht mehr und wir oszillieren überreizt und ohne Unterlass zwischen Sieg und Scheitern – die Welt schrumpft auf ein entweder oder – und so ist das Streben irgendwann keine Maxime mehr, es wird zum Mittel und wirkt dabei immer nur punktuell.

Doch wer sich zufriedengeben kann, erlaubt sich eine Ganzheitlichkeit, die uns auf vielerlei Weise das Leben erleichtert und uns glücklich machen kann, vor allem auch deshalb, weil Zufriedenheit das Fundament aller Beziehungen ist.

Deshalb so mein Tipp zum Schluss für euren weiteren Lebensabschnitt: Pflegt eure Beziehungen und geht euren eigenen Weg, denn wer seinen eigenen Weg geht, kann nicht überholt werden!

 

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