FACHTAGUNG mit namhaften Schriftstellern

Fünf namhafte Schriftsteller unterrichten Lehrer aus ganz Hessen in der Kunst des Schreibens

Quelle: Aus dem Gießener Anzeiger vom 17.11.2017
Bildquelle: Olaf Dinkela

RAUISCHHOLZHAUSEN – Literatur ist in den Schulen eine Sache für den Deutschunterricht – aber nicht nur. Es gibt auch andere Formen, um dem Nachwuchs anspruchsvolle Texte schmackhaft zu machen. Zu diesem Thema kamen gestern auf Einladung des Hessischen Kultusministeriums fünf namhafte Schriftsteller ins Schloss Rauischholzhausen, um gemeinsam mit rund 80 Lehrern aus ganz Hessen in einer „Schreibwerkstatt“ zu arbeiten – auch eine Schule aus Gießen war dabei.

In einem waren sich alle Beteiligten des gestrigen Workshops einig: Literatur ist eine immens wichtige Sache. Sie fördert die Kreativität der jungen Leser, vermittelt ihnen Impulse, sich auf Neues einzulassen und verhilft ihnen dazu, das stromlinienförmige, das „lineare Denken“ aufzubrechen, wie Dr. Erika Schellenberger-Dederich sagt. Die Marburgerin leitet das Büro Kulturelle Bildung beim Hessischen Kultusministerium und hat vor fünf Jahren das „Projekt SchreibKunst“ initiiert. Was auf regionaler Ebene begann, ist aufgrund der Nachfrage vor zwei Jahren auf ganz Hessen ausgedehnt worden. Nun lud sie die renommierten, allesamt mit Preisen dekorierten Schriftsteller Eva Demski, Silke Scheuermann, Sherko Fatah, Dominik Macri und Dalibor Markovic in das schöne Schloss Rauischholzhausen ein, um den teilnehmenden Lehrern in fünf zur Wahl stehenden Workshops die Themen Lyrik, Drama, Prosa und Poetry Slam näherzubringen.

Gleichzeitig ging es bei diesem Fachtag darum, das Netzwerk enger zu knüpfen und Anregungen zu geben, um in den Schulen neue kreative Formate zu entwickeln. Denn die bestehen nicht allein darin, dem Nachwuchs literarische Klassiker als quälende Lektürehausaufgabe abzufordern. Schulen können über die Plattform des Ministeriums Schriftsteller in den Unterricht einladen sowie Diskussionsrunden, Workshops und Schreibwerkstätten anbieten, in denen sich die Jugendlichen selber ausprobieren können. „Nicht für jede Schule ist das gleiche Programm geeignet“, sagt Erika Schellenberger-Dederich aus Erfahrung. „Die einen reißen sich um prominente Namen, die anderen können mit diesen Gästen dagegen überhaupt nichts anfangen.“

Dominik Macri und Dalibor Markovic etwa, die gemeinsam den Titel der internationalen deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften 2014 errungen haben, bieten mit ihrer so ausgefeilten wie gewitzten Sprachkunst ein Programm, das Jugendliche auf direkte Art erreicht. Nahe am Rap, schleudern sie sich auch bei Auftritten in Klassenzimmern ihre Verse gegenseitig an den Kopf, schnell, überraschend und originell. Mit einer Kostprobe ihrer Reimkunst wussten sie gestern die Teilnehmer des Fachtags zu beeindrucken.

Das Duo war vor zwei Wochen auch in der Gießener Ricarda-Huch-Schule zu Gast, eine Lehranstalt, die wegen ihrer Aktivitäten von der Organisatorin mit besonderem Lob bedacht wurde. Von dort kamen gestern gleich vier Lehrer in das Schloss, um sich neue Anregungen zu holen. Für sie ist das kreative Schreiben eine ganz andere Art des Arbeitens, eine „bewertungsfreie Zone, die den Interessen der Schüler gerecht wird“, wie Olaf Dinkela sagt. Und seine Kollegin Andrea Maaß ergänzt, dass sich ihre Schüler aus eigenem Antrieb dazu entschlossen haben, eine gemeinsam mit einer Frankfurter Schule initiierte Schreibwerkstatt nach deren Auslaufen fortzuführen.

Slammer in der Schule

All der weitverbreiteten elektronischen Kurzform-Kommunikation zum Trotz: Muss man sich also um die Sprachkompetenz der hessischen Schüler tatsächlich keine Sorgen machen? Die vielfach ausgezeichnete Frankfurterin Eva Demski (73), Schirmherrin des Programms „SchreibKunst“, hat dazu auch durchaus einige kritische Worte parat. Ihr missfällt vor allem, wie wenig die Kunst des geschliffenen Redens geschätzt werde. Ja, im Gegenteil: Menschen, die sich gewählt ausdrücken können, würden eher der Schaumschlägerei verdächtigt. „Ich wünsche mir, das Sprache wieder zu einem ernstgenommenen Spielzeug gemacht wird.“

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