Kreatives Schreiben mit Autoren – Hessischer Fachtag Literatur und Schule

Aus der Ricarda-Redaktion | Text und Bilder Olaf Dinkela

„Mensch, das ist ja Hogwarts“. Sichtlich beeindruckt zeigte sich die Autorin Eva Demski schon bei unserem gemeinsamen Gang vom Parkplatz zum Tagungsort, dem Schloss Rauischholzhausen. Was die erhabene Kulisse von außen verspricht, löst sie im Inneren spielend ein. Fazit daher schon hier und vorab: auf Schloss Rauischholzhausen kann man nicht nur formidabel Hochzeiten feiern, auch einer Fachtagung zum Thema Kreatives Schreiben verleiht es ein Ambiente, das feierlich und zugleich auch inspirierend ist. Nun, urteilen Sie selbst.

DSCF7340Im Vordergrund des Bildes sehen wir inmitten des Trubels in bester Wiener Kaffeehaus Manier die Frankfurter Autorin Eva Demski und die Lyrikerin Silke Scheuermann.

Geladen hatte zu dieser Veranstaltung des Hessischen Kultusministeriums, des Büros für Kulturelle Bildung und dem Arbeitskreis Literarisch aktiver Schulen in Hessen, dem wir angehören, Frau Dr. Erika Schellenberger, mit der wir schon seit einigen Jahren freundschaftlich und über die von ihr initiierten Projekte (Schreibkunst I & II) verbunden sind. Was sie anpackt, in ihrem ungebändigten Willen und Wunsch nach Perfektion (Eva Demski über Erika Schellenberger und ihrer Gabe, am Ende immer das zu erreichen, was ihr vorschwebte: „Diplomatie und Sturheit amalgamieren bei ihr zu einem besonderen Talent“), bekommt am Ende immer diesen gewissen Touch von Glamour und Würde, sie bringt sie alle irgendwie zusammen, von der „Premiere League der Deutschen Literatur“, über die Ebene der Ministerialbürokratie bis hin zu uns, den Lehrern, den Multiplikatoren humanistischer Bildungsgüter.

Dass wir uns überhaupt mit der Förderung des Kreativen Schreibens auseinandersetzen, sei eine Notwendigkeit, so der zuständige Referent für Kulturelle Bildung des Hessischen Kultusministeriums Marcus Kauer in seinen Grußworten an die Anwesenden, die man in Zeiten der Überhöhung linearen Denkens nicht hoch genug bewerten könne. Die Umwege und Abwegigkeiten seien es, die uns zu dem Besonderen, dem Überraschenden und Innovativen führten. Dass künstlerisches Denken Innovation bewirke, habe er etwa bei der Künstlerin und Professorin im Bereich des interdisziplinären Arbeitens an der TU Dortmund Ursula Bertram gelernt, die ihren Studenten zur Erhärtung der soeben aufgestellten These Arbeits- und Denkimpulse wie jenen gäbe: „Erschaffen Sie das Gegenteil von einem Frosch!“

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In den vergangenen Jahren haben wir mit interessierten Schülerinnen und Schülern an verschiedensten Tagungen und Workshops teilgenommen, haben selbst welche ausgerichtet, es wurden Texte geschaffen, die u.a. in der Anthologie „Der Gurkenmann und andere Geschichten“ erschienen sind. Dabei waren immer die große Namen der deutschen literarischen Zunft. Waren es in der Vergangenheit also vornehmlich die Schülerinnen und Schüler, die wir forderten, waren nun wir Lehrer dran. In vier Workshops arbeiteten die Autorinnen und die Autoren Silke Scheuermann, Eva Demski, Dominique Macri, Dalibor Markowic und Sherko Fatah zusammen mit uns Lehrern, um uns anhand praktischer Beispiele zu zeigen, wie sie ihren eigenen kreativen Schaffensprozess gestalten, von welchen Impulsen sie sich leiten lassen, mit welchen Fallstricken sie selbst zu kämpfen haben.

Wir arbeiteten in unserer Gruppe mit Sherko Fatah zusammen, auch deshalb, weil wir mit Silke Scheuermann und dem Team Macri-Markowic alias Team Scheller bereits fruchtbar zusammengearbeitet hatten und Lust auf Neues hatten. Er, Fatah, der deutschsprachige Autor mit den kurdisch-irakischen Wurzeln, wie er selbst betont, habe gewisse Eigenheiten beim Schaffensprozess kultiviert, die ihn zu einem recht eigenen literarischen Genre geführt haben: dem dokumentarischen Roman, der eigentlich ein solcher gar nicht sein will, und der sich erlaubt, aus der Faktizität des tatsächlich Gewesenen herauszutreten und aus der Collage der journalistischen Recherchearbeit ganz eigene Stoffe zu weben. Er hat uns gezeigt, dass man das Geschehen eines Romans durchaus planen müsse, aber beileibe nicht von Anfang an. Er zeigte uns in diesem Zusammenhang eine minutiös ausgefeilte Skizze des narrativen Ganges eines noch nicht veröffentlichten Romans, stellte für uns und sich aber auch klar, dass wenn er eines Tages anfinge, eine solche Skizze bereits vor dem Schreiben anzufertigen, dann sei dies der Endpunkt seines Daseins als Schreibender.

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Am Ende des Fachtages hielten die geladenen Autoren vor der geneigten Zuhörerschaft und noch immer – aber noch nicht erwähnt – an- und abmoderiert vom charmanten Poetry-Slam-Duo „Team Scheller“ (Dominique Macri und Dalibor Markowic) eine „dialogische Lesung“, die ob der anfänglichen Überforderung mit dem von Erika Schellenberger gewählten Vortragsmodus zu einer „Schweigung“ gerierte, wie Dalibor Markowic selbstironisch anmerkte. Letztlich kamen sie aber doch noch in Gang und hatten dabei, wie man auf dem letzten Bild hier erkennen kann, auch überwiegend ihren Spaß.

Um 20:00 Uhr ging der Fachtag dem Ende zu und von der Szenerie veraschiedeten sich im Namen der Ricarda sehr inspiriert, erfüllt aber auch geschafft die KollegInnen Andrea Maaß, Jenny Hess, Luisa Blasig und Olaf Dinkela.

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