Gegen Müll und für die Region

Aus der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 24.09.2017

Gießen (rha). Eine Schnur aus Kaffeebechern spannte sich am Samstag vom Kirchturm hinab zu einem Pool aus noch mehr Bechern, in dem zwei blaue Figuren badeten, von denen nur noch die Köpfe herausschauten. Die Botschaft des Kunstwerks lautete: Wir drohen im Müll, der durch Einwegbecher verursacht wird, zu ertrinken. Müllvermeidung war deshalb der besondere Schwerpunkt am »Tag der Regionen«. Außerdem stellten lokale Initiativen, Vereine, Landwirte und Handwerker vor, wie sich Gießen und das Umland stärken lassen, wenn man das Motto »Wer weiter denkt, kauft näher ein« beherzigt.

Ausgetüftelt hatten das Becherkunstwerk die Arbeitsloseninitiative Gießen und die Lokale Agenda 21. Genau 500 »To-Go-Becher« waren an der Schnur aufgefädelt. Genauso viele ließen sich durch einen einzigen Mehrwegbecher einsparen. Schüler der Ricarda-Huch-Schule haben deshalb ein Mehrwegsystem entwickelt, das die beschichteten Pappbecher bald überflüssig machen könnte. Ihre Idee: Man geht am Marktplatz in eine Bäckerei und kauft dort einen Kaffee im Mehrwegbecher. Wenn man ihn am anderen Ende des Selterswegs ausgetrunken hat, kann man den Becher dort in einem anderen Café abgeben. Stadt und die Bäckerinnung wollen die Idee unterstützen.

»300 000 To-Go-Becher werden in Deutschland pro Stunde zu Müll«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und lobte die gute Idee der Schüler. Auch Walter Kwartnik, der Obermeister der Bäckerinnung Gießen, wies auf die Berge von Müll hin, die täglich entstehen. Deshalb sei für die Innung gleich klar gewesen, dass man den Mehrwegbecher unterstützen werde, erzählte er. »Auch die Gießener Filialbäckereien haben signalisiert, dass sie den Becher einsetzen wollen«, sagte Kwartnik. »Ich hoffe auf einen regen Gebrauch.«

Dass sich in der Region viel bewegen lässt, wenn man auf einfache, altbewährte Ideen baut, zeigten auch die anderen Themen des Tages: Faire Textilien, kreative Upcycling-Ideen für Kleidung und Verpackungsabfall, Lastenräder, Gärtnern ohne Torf, Verschönerungsprojekte für die Stadt, eine Pflanzenbörse, regional erzeugte und vermarktete Energie und Lebensmittel und Schafhaltung. »Das, was von gestern zu sein scheint«, sagte Grabe-Bolz, »kann manchmal genau das Richtige für morgen sein.«

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