Kleines Paradies mitten in der Stadt

Aus dem Gießener Anzeiger vom 26.06.2017
Bildquelle: Schäfer

RICARDA Ältester Schulgarten Hessens wiedererwacht / Viele Fächer profitieren / Unterstützung der Agenda-Gruppen

GIESSEN – (rsc). Sehen, anfassen, riechen, schmecken. Das – und viel mehr – versucht die Ricarda-Huch-Schule durch ihren Schulgarten ihren Schülern zu vermitteln. Den Unterlagen nach gab es diesen Schulgarten bereits vor mehr als 100 Jahren, als die Ricarda-Huch-Schule – ehemals eine Schule nur für Mädchen – gegründet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten notgedrungen einige der Bäume als Brennholz für Gießener Bürger herhalten. Danach gewann Wildwuchs die Oberhand, Hunderte von Baumsämlingen ließen keine Gartenfrüchte mehr gedeihen. Eine Radikallösung musste her. Schließlich ist es der älteste Schulgarten von Gießen. Wahrscheinlich sogar in ganz Hessen, so mutmaßt die Schulleitung. Das Resultat präsentiert sich sehr gelungen.

Eingeladen, den wiedererwachten Schulgarten mitten in der Stadt am Wochenende beim Tag der Offenen Tür zu besuchen, hatte die lokale Agenda-21-Gruppe „Urbane Gewässer und Gärten“ mit ihrer Projektgruppe „Offene Pforten“. Anliegen der Projektgruppe mittels dieser Initiative ist es, die Begegnung von Menschen zu fördern und somit auch den Dialog zwischen den Menschen.

Bis dahin war es ein weiter Weg, der mühevolle Kleinarbeit erforderte. Als Erstes musste gerodet, danach nach dem alten Grundriss ein Wegenetz angelegt, der Beetbereich eingesäumt werden. Begrenzt wieder mit den alten Kantensteinen von vor hundert Jahren, die in einer Gartenecke ihr Dasein gefristet hatten. Erhalten geblieben waren an mehreren Stellen die alten Buntsandsteinmauern, die ein historisches Ambiente verleihen. Das Vorhaben, einen Schulgarten erneut entstehen zu lassen, war schließlich gelungen.

Ausschlaggebend war laut Silvia Lange, Sprecherin der Agenda „Urbane Gewässer und Gärten“ und zugleich Elternbeiratsvorsitzende der Schule auch, „dass letztes Jahr alle Agendas entschieden, den Schulgarten als gemeinsames Projekt mit 600 Euro zu bezuschussen. Und ohne die tatkräftige Hilfe der IJB (der gemeinnützigen Gesellschaft für Integration, Jugend- und Berufsbildung) in Form eines Sozialprojektes, so Lange, wäre die Vollendung nicht so vortrefflich gelungen. Professionelle Hilfe gab es dabei vom städtischen Gartenamt.

Wie ein kleines Paradies wirkt das neue Refugium. Als Blickfang dient ein riesiger panaschierter Bergahorn – hat mehrfarbige Blätter -, von dem es in ganz Gießen nur noch einen weiteren geben soll, so der verantwortliche Lehrer Björn Behrendt. Blumen, Beeren, Gemüse, Salate, Gewürzkräuter und viele weitere Nektarpflanzen für Bienen und Insekten, ein Insektenhotel, ein Hummelkasten, ein Mauerseglerkasten hoch oben am angrenzenden Schulgebäude sowie ein Fledermausquartier. „Der Fokus soll auf handlungsorientierte praktische Umweltausbildung gelegt werden,“ erklärte Sönke Ahrends. Der Biologielehrer ist mit seiner AG oft im Garten. „Säen, pflanzen, pflegen und ernten, riechen und schmecken sollen unsere Schüler.“ Und durch eine vorhandene Sortenvielfalt erkennen, dass es nicht nur hellfarbige Kartoffeln, nicht nur den einen Kohlrabi gibt.

Auch andere Fächer profitieren vom Schulgarten. Katharina Schreiber, Leiterin des Fachbereiches Kunst weilt mit den Klassen von 5 bis 13 oft im Garten, um Naturobjekte als Aquarell aufs Papier zu bringen. Motivbilder der Klasse 6c zu bestaunen gab es am Tag der offenen Tür. Ein Fotografiekurs hat die Situationen des Gartens im Vorher und Nachher festgehalten und praktiziert im Garten Makrofotografie.

Nun, so Peer Güßfeld, der stellvertretende Schulleiter, soll sich auch das Fach Geschichte dem Garten thematisch widmen. Die Chance auch zur nichtdigitalen Wissensvermittlung in reinster Form bietet sich so dem Schulkollegium in einer gewissen Fächerbreite.

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